Musikinstrumente gebraucht kaufen: Was du wissen musst
Gitarren, Pianos, Schlagzeug, Blasinstrumente — was du vor dem Secondhand-Kauf prüfen musst, damit du keine böse Überraschung erlebst.
Musikinstrumente sind das klassische Beispiel dafür, dass alt nicht schlechter bedeutet. Eine gut gepflegte Akustikgitarre klingt nach 30 Jahren besser als im ersten. Ein Jahrzehnte altes Schlagzeug-Kit von einer guten Marke ist stabiler als vieles Neugekaufte. Aber ohne das richtige Wissen kannst du schnell danebengreifen. Hier die wichtigsten Checks.
Gitarren: Hals, Bünde, Elektronik
Drei Dinge prüfen. Erstens den Hals: Vom Sattel entlang des Griffbretts schauen — leicht nach vorne gekrümmt ist okay, verdreht oder wellenförmig nicht. Zweitens die Bünde: Mit dem Finger drüberstreichen, alle gleich hoch, keine scharfen Kanten. Drittens Elektronik (bei E-Gitarren): Alle Tonabnehmer durchschalten, Regler bewegen. Kratzen oder Brummen ist oft nur ein defektes Poti für wenig Geld, aber der Preis sollte das widerspiegeln.
Marken mit Werterhalt: Fender, Gibson, PRS bei den E-Gitarren. Martin, Taylor, Yamaha bei den akustischen. Auf Ricardo und Kleinanzeigen findest du regelmässig fast neuwertige Modelle zu 60 bis 75 Prozent des Neupreises.
Pianos: Das komplexeste Unterfangen
Akustische Pianos sind die schwierigste Kategorie. Als Laie kannst du kaum beurteilen, ob die Mechanik intakt ist und die Stimmung hält. Deshalb: Nicht ohne Fachberatung kaufen. Klavierbauer in Zürich, Bern oder Genf prüfen ein Instrument für 150 bis 300 Franken. Bei einem Investment von 2000 bis 10'000 Franken ist das ein Witz.
Transport nicht vergessen: Ein Piano wiegt 200 bis 400 Kilogramm, Profis kosten 400 bis 800 Franken. Digital Pianos sind einfacher: Alle Tasten testen, Elektronik checken, fertig.
Schlagzeug: Hardware ist wichtiger als Felle
Beim Schlagzeug kaufst du die Hardware (Kessel, Hoops, Lugs, Ständer, Pedale) — Felle tauschst du sowieso regelmässig. Check: Kessel unbeschädigt, Metallteile nicht verrostet, Bassdrum-Pedal funktioniert. Marken: Yamaha, Pearl, Ludwig, Sonor, Tama halten ihren Wert. Mapex und Gretsch Catalina als Einsteiger-Deals.
Blasinstrumente: Ventile und Polster
Bei Trompeten müssen sich die Ventile sauber bewegen, ohne zu kleben. Bei Holzblasinstrumenten (Saxophon, Klarinette) sind die Polster das teuerste Verschleissteil. Rissig, wellig oder uneben: das Instrument wird nach Monaten unspielbar. Komplette Polster-Überholung: 200 bis 600 Franken.
Violinen: Vorsicht vor Fake-Raritäten
“Alte deutsche Meistergeigen” oder “italienische Modelle” auf Ricardo für verlockende Preise: 95 Prozent davon sind Fabrikware aus dem 19. Jahrhundert mit wenig Wert. Echte Wertinstrumente gehen über spezialisierte Geigenbauer. Für ein Anfänger-Instrument (300 bis 800 Franken) kannst du aber entspannt zugreifen — Hals nicht gebrochen, Steg gerade, Saiten nicht antik.
Wo suchen
Ricardo und marko sind in der Schweiz am ergiebigsten, Tutti hat gelegentlich grössere Instrumente wie Klaviere. Kleinanzeigen hat ein riesiges Musikinstrumenten-Sortiment in Deutschland — besonders für Gitarren und Schlagzeug ist die Auswahl dort oft grösser als auf allen Schweizer Plattformen zusammen. Über allfinds.ch durchsuchst du alle gleichzeitig. Und ein letzter Rat: Bei Instrumenten, die du wirklich lange spielen willst, gib lieber etwas mehr aus für ein richtig gutes Stück.
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