Preise verhandeln: So holst du beim Secondhand-Kauf mehr raus
Wer freundlich, begründet und entschlossen verhandelt, zahlt beim Secondhand-Kauf schnell 15 bis 25 Prozent weniger. Die wichtigsten Techniken.
Verhandeln fühlt sich erstmal komisch an. Wir sind es gewohnt, den Preis zu zahlen, der auf dem Schild steht. Im Secondhand-Bereich ist das anders — dort gehört das Gegenangebot zum Ritual, und wer darauf verzichtet, lässt im Schnitt 15 bis 25 Prozent Ersparnis auf dem Tisch liegen. Das gilt besonders auf Tutti, marko und Kleinanzeigen, wo Privatverkäufer den Preis häufig bewusst etwas höher ansetzen, um Raum für Verhandlungen zu lassen.
Wo wird verhandelt — und wo nicht?
Nicht jede Plattform ist gleich offen für Preisverhandlungen. Auf Tutti, marko und Kleinanzeigen ist es die Norm. Wenn ein Inserat “VB” (Verhandlungsbasis) erwähnt, ist das eine ausdrückliche Einladung — aber auch ohne den Hinweis kannst du in 90 Prozent der Fälle höflich nachfragen.
Auf Vinted gibt es eine eingebaute Angebot-Funktion: Du klickst auf “Preis vorschlagen”, gibst deinen Wunschpreis ein, und der Verkäufer kann mit einem Klick annehmen oder ablehnen. Das nimmt die Hemmschwelle raus und funktioniert erstaunlich gut.
Auf Ricardo-Auktionen ist Verhandeln naturgemäss nicht möglich, bei Sofortkauf-Inseraten schon. Auf eBay hängt es vom Verkäufer ab — manche bieten eine Preisvorschlag-Option an, andere nicht. Depop hat auch eine Angebotsfunktion, ähnlich wie Vinted.
Die richtige Ausgangsbasis finden
Bevor du ein Gegenangebot machst, brauchst du eine Ahnung, was das Produkt aktuell wert ist. Schau dir drei bis fünf vergleichbare Inserate über allfinds.ch an, notiere die Preisspanne und den Durchschnitt. Liegt das Inserat über dem Durchschnitt, ist deine Verhandlungsposition stark. Liegt es schon am unteren Ende, kauf einfach zum vollen Preis.
Eine faire Gegenofferte liegt bei 70 bis 85 Prozent des inserierten Preises. Unter 70 Prozent wird es als unhöflich empfunden, über 85 Prozent ist kaum der Mühe wert. Der Sweet Spot liegt je nach Kategorie zwischen 75 und 80 Prozent.
Die Formulierung, die funktioniert
Eine gute Verhandlungsnachricht hat drei Teile: konkretes Gegenangebot, kurze Begründung, Vorteil für den Verkäufer. Zum Beispiel: “Hallo, ich hätte Interesse am Sofa. Würden 600 Franken passen? Ich könnte morgen vorbeikommen und bar zahlen.” Kurz, höflich, konkret — und bietet sofortige Abwicklung.
Was du vermeiden solltest: lange Rechtfertigungen, aggressive Kritik (“das Teil hat ja einen Kratzer”) oder pauschale Gegenangebote ohne Kontext. All das macht den Verkäufer defensiv.
Wann du einfach gehen solltest
Wenn der Verkäufer auf dein Gegenangebot nicht eingeht, ist das nicht automatisch ein Grund, schmollend zu gehen. Manchmal ist der Preis einfach realistisch. Manchmal hat der Verkäufer schon mehrere Anfragen und kann warten. Akzeptier das. Aber wenn der Verkäufer unfreundlich wird — vor allem bei hohen Beträgen — brich ab und such weiter. Es gibt fast immer ein zweites, drittes Inserat.
Zahlen spielen
Psychologie hilft. “580” fühlt sich anders an als “600” — krumme Zahlen wirken präziser und besser durchdacht. Bar bezahlen wirkt mental anders als ein TWINT. Und: Der, der zuerst eine Zahl nennt, setzt den Anker. Wenn du den Inseratspreis als Anker akzeptierst, gehst du automatisch mit Nachteil in die Verhandlung. Komm stattdessen mit einer konkreten Zahl, nicht mit “was wäre dein niedrigster Preis?”.
Probier es beim nächsten Mal einfach aus. Eine freundliche Nachricht, ein konkretes Gegenangebot, ein Vorteil für den Verkäufer. Du wirst überrascht sein, wie oft das funktioniert.
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